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Schweigeminute, Winnenden

Den Kopf gesenkt. Die Hände gefaltet. Stille.
Die Sonne malt Streifen aus Licht auf meine Haut.


Nein, ich werde keine Angst haben, bloß weil die Menschen langsam begreifen, dass etwas mit ihrem System nicht funktioniert. Dass es nicht die Computerspiele sind und nicht die TV-Serien, weil es nicht immer einen leblosen Gegenstand gibt, auf den man die Schuld abwälzen kann.
Denn die Gewalt sitzt genau hier, in unseren Herzen: in falschen Prioritäten und heruntergeschluckter Wut, in Vernachlässigung und Hilflosigkeit.

Angst macht nichts besser. Angst hindert uns nur, das zu tun, was nötig wäre - daran, mit Mut statt Einschüchterung denen zur Seite zu stehen, die es nötig haben; und das sind nicht nur die Opfer.

12.3.09 17:34, kommentieren



"Heut Nacht kann ich die trübsten, traurigsten Verse schreiben..."

...schamlos Pablo Neruda zitiert.

Ja, kann ich. Denn es ist alles seltsam im Moment: Der Gedanke, dass ich bald nicht mehr hier sein werde, sondern irgendwo, wer weiß wo; und alles wird neu und groß und beängsigend sein; oder ich werde feststellen, dass es im Prinzip dasselbe ist wie hier, nur größer und grauer. Davor habe ich Angst. Weil ich manchmal diese Anwandlungen von Erkenntnis habe, in denen mir die Sinnlosigkeit meines Daseins klar vor Augen steht - weil ich mich an keinen einzigen glücklichen Moment erinnern kann, weil ich nicht mehr weiß, wie das geht: sich ehrlich über etwas freuen. Weil ich mir alles, ALLES, kaputtmache, durch meine ewigen Grübeleien und das Auseinanderpflücken und Schlechtmachen, aber aufhören kann ich damit nicht.

Ich habe mich distanziert. Meine Gefühle weggeschlossen. Im verzweifelten Versuch, mich vor dieser feindlichen Welt zu schützen, dreht sich alles nur noch um mich, mich, mich. Es ist traurig, wenn ich mit Freunden unterwegs bin und mir denke, dass ich wieder einmal bewiesen habe, wie sozial ich doch bin.

Wem ich etwas beweisen will, weiß ich nicht. Es ist ein grauenhafter Zustand. Ich würde gern wieder fühlen, empfinden; meinetwegen auch verletzt werden, aber das ist wenigstens etwas!

Und ich weiß mittlerweile, dass ich mich nicht vor der Welt schützen muss, sondern vor mir selbst: aber wie, das kann ich nicht sagen.

1 Kommentar 31.3.09 00:29, kommentieren